Wann beginnt der Frühling wirklich
- EinfachGarten

- 23. Feb.
- 3 Min. Lesezeit

Warum sich der Garten nicht nach dem Kalender richtet
Im Kalender steht es schwarz auf weiß. 20.März Frühlingsanfang.
Und doch fühlt es sich oft anders an.
In manchen Jahren blühen die Schneeglöckchen schon im Februar. Andere Male liegt noch Frost auf den Beeten, wenn der Kalender längst schon Frühling sagt. Warum das so ist, schauen wir uns heute mal genauer an.
Der astronomische Frühling- nur eine rechnerische Größe
Der sogenannte astronomische Frühling beginnt zur Tag-Nacht-Gleiche. Also dann wenn Tag und Nacht etwa gleich lang sind.
Das ist jedes Jahr um den 20.März herum.
Für uns Menschen ist das praktisch, wir können uns nach etwas richten. Für die Pflanzen und die Natur ist das aber nebensächlich. Denn sie reagieren nicht auf ein Datum-sondern auf Licht, Temperatur und Bodenwärme.
Der phänologische Frühling-wenn die Natur entscheidet
In der Naturbeobachtung-der Phänologie-beginnt der Frühling in mehreren Stufen:

Der Vorfrühling
-Schneeglöckchen blühen
-Haselnüsse zeigen ihre ersten Blüten
-die ersten Bienen fliegen
Erstfrühling
-Forsythien blühen
-Obstbäume treiben sichtbar aus
-der Rasen beginnt wieder zu wachsen
Vollfrühling
-Obstbäume blühen
-viele Stauden treiben kräftig an
-es lebt im Garten wieder
Diese Beobachtungen sind viel genauer, als jedes Kalenderdatum, denn sie richten sich nach dem tatsächlichen Verlauf des Jahres.
Was im Boden passiert
Während wir nach oben auf die Blüten und die Blätter blicken, entscheidet sich unter der Oberfläche viel mehr. Hier fängt es an.
Die Mikroorganismen werden ab etwa 5Grad Bodentemperatur wieder aktiv und auch größere Bodenlebewesen wie Regenwürmer kommen langsam wieder in die oberen Bodenschichten. Auch die Nährstoffe werden nun für die Pflanzen wieder verfügbar.
Dafür braucht der Boden Wärme, nicht die Luft.
Deshalb kann es sich im März auch oft an einigen Tagem warm anfühlen und im Boden passiert trotzdem noch wenig.
Die Rolle von Kältesumme und Wärmesumme
Viele Gehölze-besonders Obstbäume-brauchen erst eine bestimmte Kältesumme(ChillingHours), bevor sie austreiben.
Das heißt: Sie müssen genügend Stunden mit Temperaturen unter etwa 7Grad gesammelt haben. Erst danach reagieren sie auf steigende Temperaturen.
Im Anschluss zählt die Wärmesumme-also die angesammelten Gradstunden im Frühling.
Erst wenn beides erfüllt ist, beginnt sichtbares Wachstum.
Nicht der Kalender. Sondern eine innere Rechenformel der Pflanze bestimmt also was wann passiert.
Warum es dieses Jahr anders wirkt
Manche Winter sind sehr mild. Andere wieder lang und trocken. Manchmal schützt eine Schneedecke den Boden wie eine Isolationsschicht. Manchmal herrscht auch Kahlfrost-mit gefrorenem Boden ohne schützenden Schnee.
All das beeiflusst, wann der Garten "bereit" ist.
Dieses Jahr hatten wir einen sehr strengen Winter, mit viel Niederschlag und starken Frösten. Die Natur braucht einfach noch ein wenig um den ersten Sonnenstrahlen zu vertrauen und die nötige Wärme zu sammeln.
Geduld im Frühling ist kein passives warten, sondern ein feines beobachten.

Woran du in deinem Garten den Frühling wirklich erkennst
-der Boden ist krümelig und lässt sich nun bearbeiten
-die ersten Regenwürmer sind aktiv
-Knospen schwellen deutlich an und beginnen auszutreiben
-Wildkräuter wie Vogelmiere und Girsch treiben frisch aus
-die ersten Insekten sind zu sehen
Und was heißt das für uns als Gärtner im eigenen Grün?
Nicht zu früh eingreifen.
Kein vorschnelles Umgraben bei sehr nassem Boden. Das umgraben zerstört die natürliche Krümelstruktur. Die Poren fallen darurch zusammen, was zu Luftmangel führt und die Arbeit der Mikroorganismen einschränkt
Kein übereifgriges Düngen bei noch kalter Erde. Denn ist der Boden noch zu kalt, kann dieser den Dünger nicht umsetzen und somit für die Pflanzen frei geben. Oft werden die gutgemeinten Nahrstoffgaben, dann einfach ausgewaschen und verschwinden so im Grundwasser und gelangen gar nicht erst zu den Pflanzen. Erst bei einer Bodentemperatur von 8-10Grad ist es sinnvoll, die ersten Düngegaben durchzuführen.
Kein vorschnelles Aussäen, nur weil es sonnig ist, denn oft führt genau dass zu ungleichmäßiger Keimung. Jede Pflanze hat eine eigene Mindestkeimtemperatur. Wird diese nicht erreicht, keimen die Pflanzen nicht, keimen diese ungleichmäßig oder über einen langen Zeitraum verteilt.
Der Frühling ist eigentlich kein Startschuß, sondern eher ein Übergang. Und je genauer wir hinsehen und beobachten, desto ruhiger wird unser handeln.
Am Ende geht es im Frühjahr nicht darum, möglichst früh zu starten, sondern im richtigen Moment. Wenn wir lernen die Signale zu lesen, arbeiten wir nicht gegen die natürlichen Prozesse, sondern mit ihnen und das macht den Unterschied zwischen hektischem Frühjahrsbeginn und einem stabilen, gesunden Gartenjahr.
Wachstum beginnt eben nicht weil es jetzt passieren muss, sondern nur bei den passenden Bedingungen.




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